|
28. Februar 2007
Weicheier Die Gabe der Nachsicht stelle ich bei mir immer wieder fest. Vorhin blätterte ich das gerade sehr angesagtes Heft „Vanity Fair“ durch. Vor lauter Werbung drang ich zu einer Story gar nicht durch. Egal. Eines stellte ich aber zweifelndem Behagen fest.
Die Männer auf den Werbeseiten, also genau die Typen die man als Leitbilder vorführt, also diese ganzen Weicheier: Einen Krieg fangen diese deutschen Männer keinen mehr an. Unsere Nachbarn können aufatmen. Ich denke schon, dass wir momentan zu den friedfertigsten Herren weltweit uns zählen dürfen. Immerhin.
27. Februar 2007
Katz und Maus? Meine Frau rief von der Wohnung an, die Katze hätte eine Spitzmaus in die Wohnung geschleppt. Das kommt öfter vor, aber es war anscheinen eine besondere Spitzmaus. Meine Frau, obwohl im Mäusefangen geübt, bekam das Vieh nicht in den Griff. Unser Prachtskater Jolie hatte an der Hatz auch jedes Interesse verloren. Also ich ging rüber obwohl ich vor Mäusen Angst habe. Auch kleine Vögel kann ich nicht anfassen. Ich machte es wie der Kater, stellte mich machtlos und beobachtete die Szene. Die Maus suchte einen Ausweg und wuselte wie auf Schienen gezogen an der Wand entlang, ständig im Viereck des Zimmers. Die Maus war verzweifelt ich auch. Ich verließ leise die Stätte meiner Hilflosigkeit und machte mich wieder ans Kochen.
Die Gäste verließen langsam das Lokal, meine Frau wechselte die Kampfstätte und machte sich zur Wohnung auf, die gleich neben dem Restaurant liegt. Sie rief mich dann gleich auf dem Haustelefon an. Die Katze würde gerade ihren Frust am Fressnapf stillen. Die Maus wäre auf ihren Törns auch an der Stelle vorbeigekommen und beim Geruch des Futters hätte sie innegehalten. Gelangweilt drehte der Kater den Kopf nach dem Mäusegeräusch und. Sein Maul stand offen. Die Zeit stand still. Jolie war so baff, dass ihm das Fressen aus dem Maul fiel. Nach diesen Schrecksekunden wandte er sich wieder seinem Sheba zu (feine Pastete mit Huhn) und ignorierte die Maus demonstrativ. Meine Frau musste so lachen und prusten, dass der Kater nun vollends ganz in Schreck gerat und sich schleunigst verzog.
Wir machten uns Gedanken warum der normalerweise kampflustige Kater von der Spitzmaus nichts wissen wollte. Wahrscheinlich haben diese Nager Zähne, die sogar einem Geldtresor gefährlich werden können?
Wie geht die Geschichte weiter? Bei den Fangversuchen hatte meine Frau erkannt, dass die Maus keine Zitzen hatte. Wir haben also einen Mäuserich im Gemäuer, uns so tauften ihn Horst. Einen besseren Namen konnten wir nicht finden, dann alle Horsts inklusive dem Bundespräsidenten, alle sind taffe Leute die konsequent ihre Ziele durchsetzen. Mittlerweile campiert die Maus oft und lange mitten im Fressnapf und delektiert sich an den Katzen-Gourmetvariationen. Der Kater wartet brav bis Horst Platz macht. Letzte Meldung: Die Beiden fressen gemeinsam ihre Pasteten.
23. Februar 2007
Kürzlich kriege ich eine e-mail und der Schreiber liest dieses Tagebuch und meinte dann. „Klink Sie sind verrückt. Ihre Gedanken sind so vernünftig, dass man sich damit in unseren Zeiten Feinde schafft.“ „Vincent Klink, Sie machen ja das Gegenteil was gerade der Trend ist.“
Danke. Nun ja, ganz so ist es nicht. Deutschland wird zwar immer spinnerter, um nicht zu sagen bescheuert. Die große Gastronomie pflegt eine Art Mager-Model-Kitchen, die Dekonstruktion der Speisen wird gefeiert, der Koch gefällt sich als Chemielaborant und die Medien überschlagen sich mit Ernährungsthemen. Jede Menge heiße Luft wird da gefächelt.
Ganz lautlos wird aber eine schöne Nische immer breiter. Nie gab es so viele vernünftige gute Köche und nie gab es in meiner Laufbahn ein solch genießerisches Publikum. Freilich, dies Publikum, das sind mehrheitlich unauffällige Leute. Sie kommen nicht auf Breitreifen angestochen und hauen nicht auf den Putz. Dies Publikum weiß Bescheid, braucht keine Restaurant-Rankings und sie wissen, dass wahrer Genuss nichts mit Angabe zu tun hat. Solche Leute gibt es Haufenweise, oder anders, ich kenne nur solche..
Kochen vor 12.000 Jahren
|