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22. Juni 2007
Viele Menschen sind tief verunsichert und so handeln und leben sie auch. Enge Bindungen werden nicht mehr riskiert, ein scheinbares Gefühl für Freiheit wird gepflegt indem man sich Hintertürchen offen hält, hier etwas mitnimmt und sich dort nur zu kleinen Teilen einlässt. Geduld, sich auf etwas einzulassen, so etwas wie Leidenschaft entwickeln, das funktioniert immer schlechter. Man rauscht durch den Alltag und hat den Kopf voll mit Halbheiten, mit Gedankenschnipseln und nennt sich dann trügerischerweise “informiert.
Beim Fernsehen wird nur noch gezappt, weil man in der Angst lebt etwas anderes zu verpassen. In Magazinen und Zeitungen macht sich deshalb das “Prinzip Bildzeitung” breit. Riesige Überschriften und dann kommt nicht mehr viel.
Beim Essen ist es nicht anders. Deshalb sind Amuse-Bouche-Menüs in Mode gekommen, eine kleine Delikatesse reiht sich an die andere und Reagenzglasweise werden die Weine dazu serviert. Ist man dann Zuhause weiss man nicht mehr viel, ausser dass es schön war.
So kommt es zu folgenden Kompositionen, die mir eine (sehr gute) Köchin zugesand hat:
Werde nun dreierlei Fleischküchle für einen Vorspeisenteller herstellen :
1. Rehküchle mit Zitronen+Orangenzesten
2. Kalb/Rindküchle (hier muss ich noch was finden, was das Kalb oder Rind hervorhebt - Kapern ?, Artischocken, getrocknete Tomaten,....)
3. Kaninchen - wahrscheinlich passt da gut Thymian dazu
Warum solche Variationen, wollen wir wieder zur Speisekarte zurück, die dreihundert Positionen hat? Ist man sich nicht sicher, dass sich mit einer Variation der Beifall nicht einstellen könnte?
Ich möchte mal folgendes zu bedenken geben: Ein wirklich guter Wein bietet beim ersten Schluck noch einen gewissen Widerstand. Nach einem Glas schmeckt er erst richtig und dann immer Besser. Umgekehrt, schmeckt ein Wein gleich beim ersten Schluck, hat man meist nach einem halben Glas ein Gefühl der Sättigung und des Überdrusses.
Mit dem Essen ist es das Gleiche. Als Beispiel nenne ich mal unseren gegenwärtigen Hit, die “Kalbsbrustspitze” Sie schmeckt nach geschmortem gutem, naturell erzeugtem Kalbfleisch. Gewürze sind keine im Spiel, ausser Pfeffer und Salz. Die Leute sind verblüfft, denn wirklich gutes Kalbfleisch, langsam geschmort, hat jede Menge Aromen, die sich allerdings nicht mit dem ersten Bissen erschließen. Drum meine Devise bei allen Gerichten ist: Möglichst nicht mehr als drei Aromen auf dem Teller. Wer mehr erleben will muss öfters kommen. Früher bin ich durch Paris gehetzt und habe täglich zwei weltberühmte Restaurants absolviert. Sich auf eines wirklich einlassen und diesen Besuch voll auszukosten, dass er gut einwirkt, das hinterlässt tiefere Spuren im Kopf.
Große, Erlebnisse funktionieren nicht nach Japanischer Traveller Art (Europa in drei Tagen).
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