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29. November 2006 Kein Wunder, daß in Deutschland niemand so richtig mehr darauf scharf ist. In deutschen Konditoreien oder aus der Tiefkühltruhe werden an diesem schönsten Teig der Welt regelrechte Verbrechen begangen. So lange schon, daß der echte Butterblätterteig fast ausgestorben ist. Patisserie-Weltmeister Bernd Siefert hat lange in Frankreich gearbeitet und dort ist Blätterteig Kult. Das hat sienen Grund. Mit unserem deutschen Murks hat das nichts zu tun. Ich rede jetzt von hochartistischer Patisserie und nicht vom Supermarche.
Endlich kriege ich den Tarte Tatin so hin wie ich ihn einmal in einem kleinen Bistrot im Burgund gegessen habe. Deutscher Blätterteig wird ja aus Ziehmagarine gemacht. Kann man vergessen. Nach deutschem Rezept mit Butter, funktioniert es nicht, da die Butter zu weich ist. Also wird die Butter mit einem Teil Mehl vermischt u.s.w..
Jedenfalls unser bislang mit Butter gemachter Teig war als Boden gerne so zäh, daß er mit der Gabel kaum zu druchtrennen war. Das Geheimnis liegt am Essig, den man dem Teig beigibt. Der Essig zerstört in gewisser Weise die Bindung, den Kleber. Alles wird mürber. In den nächsten Tagen finden Sie hier das Rezept.
28. November 2006 Blätterteig Ein echtes Betriebsgeheimnis: Die Essigzugabe, macht den Teig so elegant leicht und mürbe.
Einziehbutter: 800 g Butter 300 g Mehl Type 550 oder 405 und 1050 zu gleichen Teilen. Zu einem glatten Teig verkneten Grundteig: 325 g Wasser 20 g Salz 25 cl Reisessig 200 g Butter Zusammen aufkochen, etwas abkühlen lassen und wieder mixen 2800 g Mehl Type 550 Die abgekühlte Wasser/Buttermasse mit dem Mehl zu einem Teig verkneten. Diesen Teig plattwalzen und mit der oben gefertigten Einziehbutter bedecken. Diese wird am besten zwischen großen Pergamentbögen auf die Größe des anderen Teigs ausgewellt und darauf gelegt.
Nun wird tourniert: Einfach, doppelt, einfach, doppelt, einfach. Der Teig wird also einmal zusammen geschlagen, so daß das Fett innen ist. Auswellen. Ruhe.
Doppelt getourt geht so: Linkes Teigende zur Mitte schlagen und das rechte auch. Beide Enden treffen sich nun in der Mitte. Jetzt ist die Teigbahn doppelt und wird nun noch einmal zusammen geschlagen. Wir haben jetzt vier dicke Schichten übereinander.
Nochmal mit anderen Worten: Einfache Tour geht genauso wie man ein Blatt Papier zusammen faltet, so daß man zwei Bögen hat die halb so groß sind.
Doppelte Tour: Man merkt man sich die Mitte der Teigbahn und schlägt beide Enden bis zu dieser Mitte. Nun ist die Bahn doppelt und wird noch mal zusammengefaltet. Nun haben wir eine Schicht von vier Bahnen. Diese mit dem Wellholz wieder ausrollen. Der Teig darf nie unter 1 Zentimeter ausgerollt werden.
Wenn der Teig ruht, so muß er in Klarsichtfolie eingepackt werden, daß nichts verkrustet. Für die Ruhezeit (30 Min.) muß er sehr kühl gelagert werden, am Besten im Kühlschrank.
22. November 2006 Heute hatten wir über Mittag eine gewalte Ovensive gegen grüne Gentechnik im Restaurant. Wer mehr darüber wissen will klickt bitte auf www.mein-nein.de
21. November 2006 Früher war ich immer recht frustriert, wenn ich lesen mußte, daß ich wegen meiner Fernsehtätigkeit nicht in meiner Küche wäre. In Wahrheit fehlte ich an zwei Mittagen, an denen alle Fernseharbeit erledige.
Um diesen Abwesenheitsgerüchten zu begegnen bin ich dann nicht mehr in Urlaub gefahren, sondern erledige Informationsreisen, Lesungen oder Feizeitaktivitäten ausschließlich Sonntags und montags, wobei der schnell erreichbare Flughafen Stuttgart ein wahrer Segen ist.
Der letzte Urlaub war ungefähr vor fünf Jahren, aber Journalisten die sich beim Recherchieren keine Mühe machen geigen weiterhin darauf rum, daß ich sehr durch das Fernsehen abgelenkt wäre.
Mittlerweile denke ich ganz anders. Ich habe keine Termine mehr, keinen Urlaub, sondern mache entweder meine Fernsehaufzeichnungen oder bin in meiner Küche, basta. Dies aber nicht mehr wegen irgendwelcher Journalistenkritik, sondern weil ich über die vielen Jahre hinweg einen wunderbaren Kundenkreis mir erarbeitet habe und ich mich nirgends wohler fühle als in meiner Küche und bei meinen Gästen.
11. November 2006 Bislang 3500 Tote Man hört ja viel über Genmanipulation, nichts genaues weiß man nicht. Allenthalben wird geklagt. Umgekehrt, die Politiker finden es klasse, und warum? Das wissen sie selbst nicht. Oder sie geben es nicht zu, daß sie von Lobbyisten unterwandert sind oder sonstwie davon profitieren.
Hier nun endlich mal in kurzer Form, Tatsachen aus der Süddeutschen Zeitung vom 4.11.2006. "Wer später stirbt, ist länger arm."
Tatort: Indien, Provinz Vidarbha: Das Einzige was dort noch boomt ist die Beerdigungsindustrie. Mehr als 1054 Bauern begingen innerhalb des letzten Jahres Selbstmord. Vergangenen August 111, 124 im September, 112 im Oktober. Alle sechs Stunden erhängt, ertränkt oder vergiftet sich ein bankrotter Farmer. Zumeist mit den Elixieren, die sie immer stärker auf die Felder spritzen müssen. Die Regierung und der Verbrecherkonzern Monsanto überredeten die Baumsollbauern genmanipuliertem Samen der gegen den asiatischen Baumwollkapselwurm resistent ist.
Die genmanipulierte Saat wurde in den Achtzigern ausgebracht. Es funktioniert prächtig, aber dann wurden die Schädlinge resistent. Monokultur beherrscht das Land. Die Firma DuPont lieferte immer mehr Gift, dann waren die Böden verseucht. Von wegen "Grüne Revolution", die Versprechen der Saatgutvertreter waren alles Lügen. Bevor die Pflanzen richtig zu wachsen beginnen ist der Wurm schon in der Baumwollkapsel. Die Bauern nennen ihn mittlerweile "American Worm".
Alles ist kaputt, aber der Wurm lebt. Trotz Gift. Die Lage ist hoffnungslos. Also immer mehr Gift. Den Rest der Pulle bekommt nicht der verseuchte Acker, den nimmt der sich der Bauer selbst zur Brust. Grob gerechnet haben sich seit beginn der Genlügen mehr als 3500 Bauern umgebracht.
22. November 2006 Diese Zuschrift bekam ich und darf sie zur Verfügung stellen: Tatort:Tansania Da den Tabakgiganten in Europa und Nordamerika ein scharfer Wind um die Nase weht , hat man sich nun die ärmsten der Armen als Opfer ausgesucht. In Afrika ist wohl noch was zu holen. In Tansania hat man Kleinbauern dazu überredet Tabak anzupflanzen. Ein Trockenwald mit teils uraltem Baumbestand mußte dazu gerodet werden. Die Bauern hat man Knebelverträge unterschreiben lassen, in denen sie sich verpflichten sämtliche Maschinen, Dünge- und Spritzmittel von der gleichen Firma abzunehmen, die auch das Saatgut liefert. Das ganze zu total überhöhten Preisen. Die Firma Dahinter:Monsanto.
Die Leute sind verzweifelt, stehen mit ca 12 Millionen Dollar in der Kreide, bei diesen Verbrechern. Die Regierung windet sich aus allem raus.
Es ist eine Schande. in mir kocht es innerlich. Konnte die halbe Nacht nicht schlafen vor Wut. Man will helfen.aber wie? Und wie muß man mit Konzernen wie Monsanto umgehen. Was müssen das für eiskalte,gefühlslose Menschen sein?
Viele Grüße Reinhold Hanselmann
P.S der Beitrag kam übrigens im ZDF Dokukanal
8. November 2006 Aus deutschen Landen frisch auf den Tisch Jetzt ist doch noch einigen Bauern ein Licht auf gegangen, sie wehren sich gegen die Zwangsmitliedschaft der CMA (Zentrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft. Das ist ein Institut, das sich ständig selbst lobt und unter anderem für landwirtschaftliche Industrieprodukte wirbt. "Wiesenhofhähnchen - aus deutschen Landen frisch auf den Tisch." Überhaupt haben die CMA-Leute eine verwegene PR. Die letzten blöden Werbesprüche bereiten ihnen jetzt aber Probleme: "Wo ist der Mann der mir etwas brät. Ich mag am liebsten junges Gemüse. Schneid dir was aus den Lenden." Von solch sexistischem Schmarrn hat nun sogar die Zeitschrift "Unabhängige Bauernstimme" die Schnauze voll und Ihre Abonnenten aufgerufen die von der Republik stark gesponserte Werbeorganisation für Quälfleisch zu boykottieren. Warum gibt es keine vom Staat geförderte Werbeorganisation für die wunderbaren Erzeugnisse unzähliger kleiner Bauernhöfe. Genau, deshalb, weil kleine Bauern keine Lobby haben.
4. November 2006 Meine Frau spricht auf mich ein, und sie hat mal wieder recht: "Sehr viele Leute sind unglücklich, verkniffen, verängstigt und wirken gequält. Ich glaube es liegt am Fleischessen. Wenn Du Fleisch von einem Tier ist, das unter Qualen und Angst aufgewachsen ist, dann ißt man die Qual und Angst mit!"
Deshalb nie Fleisch essen, ohne zu wissen wo es her ist. Sicher, oft hat man die Zeit der Nachprüfung nicht. Hat man einen Metzger des Vertrauens und kann man sich auf ihn verlassen, dann ist alles gut. Wer keinen solchen Zugriff hat, sollte Vegetarier werden.
3. November 2006 Immer wieder nennt man mich Sternekoch, auch wird ständig von Sterneküche geredet und jeder weiß was damit gemeint ist. Manchmal sinniere ich aber, was ist, wenn eine Küche wirklich gut ist, aber nicht in diese Kategorie fällt, weil sie vielleicht ganz anderen Zielsetzungen folgt.
Gestern waren 20 Topmanager zu Gast und welches Menü hatten sie sich zu Ihrer Super-Weinprobe ausgesucht? Maultaschen mit Kartoffelsalat, dann Gaißburger Marsch, Rindsroulade und Ofenschlupfer. Sie waren sehr zufrieden, auch wenn die Gerichte in einem Sternelokal eher exotisch anmuten. Sicher, die Maultaschen sind mit hauchdünnem Teig versehen, die Fülle aus Schweinefilet und viel Petersilie und Spinat. Die Rindsroulade war von einem Ochsenrücken u.s.w..
Freilich haben wir auch Hummer und all diese Köstlichkeiten auf der Karte, aber gerade die weitgereisten Gourmets wollen häufig das Schwäbische. Uns Deutschen ist nach dem Krieg teilweise die Identität abhanden gekommen. Schreibe ich auf die Karte Eintopf von Krebsen, Kalbsbries und Kürbis, dann verkauft sich das Gericht nicht so gut wie unter dem Titel "Pot au feu..."
Ich kann es vielen Kollegen nicht verdenken, wenn sie oft Ihre Speisekartensprache so geschwollen formulieren. Alles was nach "auswärts" klingt gilt als chic. Kürzlich wollte ich in einem Starbucks-Caffe einen Milchkaffee. Zuerst wurde ich aufgeklärt was ein Barista ist, dann wollte ich keinen Caramel Macchiato, keinen Caramel Frappuccino® Blended Coffee und auch kein White Caffè Mocha. Das Personal war sehr nett zu mir (Landei) und ich bekam einen Milchkaffe, den es selbstverständlich auch gab, nur war er hinter einem schwer auszusprechendem Titel getarnt.
28. Oktober 2006 In Don Angelo Sassanos Laden hängt ein Foto. Und heute kam eine Mail von seinem Sohn Pino. Pino sieht Robert de Niro täuschend ähnlich.
"Zu Robert de Niro, das höre ich sehr oft. Das Beste war aber als ein Kunde bei meinem Vater im Laden stand. Er sah ein Bild von mir mit jemand anderem drauf.
Der Kunde fragte meinen Vater wer der Typ neben de Niro sei. Mein Vater lachte und sprach in gehobenem Ton: dies iste meine Sohn, dann lachte der Kunde und sagte, komm erzehl koin Scheiß."
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